Lange Nacht in der Therme - wird sie es wagen?
Zirbe
Die Fußwanne lief über, weil niemand mehr den Hahn nachdrehte.
Sabine hörte das Überlaufen zuerst. Ein dünner Teppich aus Wasser um die Schale, dann die eigene Ferse darin. Martin reichte ihr das Tuch und sagte nichts. Im Spiegel über den Waschrinnen war die Halle hinter ihnen nur noch eine dunkle Öffnung. Eine Pumpe arbeitete irgendwo im Beton, gleichmäßig, wie ein zweites Herz, das nicht zu ihnen gehörte.
Sie gingen die drei Stufen zur Natursauna ohne Eile. Das Schild neben der Klinke war beschlagen. Sechzig Grad. Zirbe. Textilefrei. Sabine legte die Hand an das Holz und wartete einen Atemzug, nicht auf Stimmen, auf das Fehlen davon.
Innen war die Luft milde. Kein Stich. Die Scheiben trugen den Park nach drinnen, ein Weglicht, das in regelmäßigen Abständen umsprang und jedes Mal denselben Streifen Kies zeigte. Martin breitete das Handtuch auf der mittleren Bank aus, glättete eine Falte, die keine Rolle spielte, und setzte sich. Sabine blieb einen Moment stehen. Die Wärme hob sich von unten in die Kniekehlen.
Sie setzte sich. Nicht ganz an ihn. Eine Handbreit Holz zwischen den Oberschenkeln.
Lange passierte nichts.
Wasser löste sich irgendwo von einer Rippe der Decke und fiel auf Stein. Martin lehnte den Hinterkopf an die Lehne. Sabine sah sein Profil in der Scheibe, unscharf, das graue Haar an den Schläfen noch nass. Den ganzen Tag hatte dieses Profil vor ihr gelegen: im Wellenbecken, am Buffet, in der Grotte, wo das Salz die Lippen weiß machte. Jetzt lag es neben ihr und gehörte ihr, und trotzdem war der Tag nicht fertig mit ihnen.
Sie dachte an das Buch.
Nicht an den Titel. An die Art, wie die Frau es gehalten hatte, am Vormittag, den Einband zu nah am Gesicht. An die Salzgrotte, zwei Liegen weiter, den Mund, der im Schlaf oder in etwas anderem offenstand. An das Glas an der Bar, das sich nicht leerte. Sabine hatte Martins Blick jedes Mal abgefangen, bevor er zu lang wurde. Nicht aus Eifersucht. Aus einem anderen Instinkt, der sich nicht benennen ließ, ohne ihn zu zerstören.
Martins kleiner Finger rutschte gegen den ihren auf der Bank.
Sabine ließ ihn.
Eine Minute. Vielleicht zwei. Der Finger blieb ein Finger. Dann drehte Martin die Hand, ganz langsam, und legte den Handrücken gegen die Außenseite ihres Knies. Die Haut dort war unspektakulär. Sabine spürte ihn trotzdem wie eine Unterschrift.
„Kalt gewesen, die Dusche“, sagte er.
„Kurz.“
Mehr nicht. Seine Hand blieb. Der Daumen begann erst später, nach einem weiteren Tropfen von der Decke, die Innenseite zu streifen. Zentimeterweise. Sabine zählte die Zentimeter nicht. Sie merkte nur, wann er die Stelle erreichte, an der der Oberschenkel weicher wird, und dass sie das Knie nicht schloss.
In der Scheibe sah sie den eigenen Mund. Er war offen. Sie schloss ihn.
Martin atmete anders. Kaum. Sabine kannte das. Vierundzwanzig Jahre. Das andere Atmen bedeutete: Er war hart, und er würde nichts tun, bevor sie den Raum dafür aufmachte.
Sie machte ihn nicht auf.
Nicht sofort.
Sie legte ihre Hand auf seine, stoppte den Daumen, hielt ihn dort fest, wo er war, als reiche das. Martins Schulter senkte sich um einen Millimeter. Ein Einverständnis. Sabine ließ die Wärme zwischen ihren Beinen zu, ohne sie zu berühren. Die Sechzig Grad machten alles langsam. Den Puls. Das Nasse-Werden. Die Gedanken an die Frau mit dem Buch, die jetzt irgendwo in einem Zimmer lag oder nicht.
Sabine nahm Martins Hand und führte sie zurück auf sein eigenes Knie.
„Noch nicht.“
Er nickte. In der Scheibe nickte er mit.
Sie saßen so. Die Pumpe. Das Weglicht. Irgendwann streifte Sabine mit dem Handrücken seinen Oberschenkel, absichtslos, und blieb hängen, weil Absichtslosigkeit eine Lüge war. Unter dem Tuch, das er über den Schoß gelegt hatte, war die Wölbung eindeutig. Sabine umfuhr sie nicht. Sie ließ den Handrücken dort, Wärme gegen Wärme durch Stoff, und hörte, wie Martin schluckte.
„Die Blonde“, sagte sie in die Scheibe.
Martin sagte nichts dazu, dass sie es ansprach. Nur: „An der Bar hat sie uns gespiegelt. Im Glas.“
„Ich weiß.“
„Du hast das Glas angeschaut.“
„Du auch.“
Stille, die nicht unangenehm war. Sabine drehte den Kopf und küsste ihn neben den Mund, nicht darauf. Martins Bartstoppeln vom Abend. Sie blieb mit den Lippen an seiner Wange und atmete ihn. Seine Hand kehrte auf ihr Knie zurück, diesmal von ihr geduldet, und wanderte erst wieder, als Sabine das Knie einen Spalt öffnete, so wenig, dass es ein Versehen hätte sein können.
Der Daumen innen. Halt. Wieder ein Stück. Halt.
Sabine schloss die Augen. Hinter den Lidern die Grotte. Die fremde Brust, die zur Seite gerutscht war. Der Moment, in dem Sabine nicht weggesehen hatte.
Martins Finger erreichte das Haar. Blieb im Haar. Sabine packte sein Handgelenk, nicht abwehrend, haltend. „Nur da.“
Er blieb. Die Fingerkuppen ruhten auf der dunklen Scham, ohne zu teilen. Sabine wurde trotzdem nasser, als wäre schon etwas in ihr. Sie nahm seine andere Hand und legte sie auf ihre Brust, über dem Tuch, das sie inzwischen hatte rutschen lassen. Der Daumen fand die Warze durch nichts. Martin bewegte ihn nicht. Gewicht reichte.
Lange.
Dann küsste sie ihn richtig. Langsam. Die Zunge erst, als sein Mund schon offen war. Unter ihrer Hand, die endlich unter sein Tuch glitt, lag der Schwanz schwer, die Eichel feucht. Sabine umschloss ihn und tat nichts weiter als halten. Martin stöhnte in den Kuss und verstummte von selbst.
Sie wichste ihn erst, als das Weglicht zum dritten Mal umsprang. Langsam. Die Vorhaut. Der Rand. Wieder zurück. Seine Finger teilten sie jetzt, ganz außen, ein Strich entlang der Nässe, der Kitzler nur als Drohung. Sabine setzte die Ferse gegen das Holz und hielt den Laut in der Kehle.
Sie hob ein Bein über seines. Nicht auf ihn. Nur Nähe. Die Eichel streifte sie, nass auf nass. Martin zuckte. Sabine flüsterte gegen seinen Mund: „Wenn die Klinke geht, bist du ein Ehemann auf einer Bank.“
„Bin ich sowieso.“
Sie lächelte, kurz, und senkte sich trotzdem nicht auf ihn. Reiben. Warten. Reiben. Die Zirbe in der Nase. Der eigene Geruch darunter.
Die Klinke.
Sabine zog das Bein zurück. Martins Hand weg. Das Tuch nach vorn. Zu langsam für Unschuld, schnell genug für Hoffnung.
Eva stand im Rahmen.
Nicht überrascht genug. Das war das Erste, was Sabine sah. Das Zweite: der Mantel über dem Arm, die nackte Linie vom Hals bis zu den Knien, das Haar dunkler als am Nachmittag. Das Dritte: Eva sah nicht auf ihre Gesichter. Sie sah auf das Tuch und das, was das Tuch nicht leistete.
Die Klinke blieb Eva in der Hand, als wäre das Holz eine Entscheidung, die man festhalten kann.
Du kannst den Gang zurück. Die Schuhe. Die Karte. Das Bett, in dem niemand wartet.
Den Vormittag über hatte sie Abstände gemessen. Zwanzig Minuten. Eine Bank. Ein Glas. In der Grotte hatte sie die Augen geschlossen und die Atmung des Paares gezählt, bis sie sich schämte. An der Bar hatte das Glas der Frau im Spiegel des eigenen Safts gelegen.
Jetzt lag Sabine nicht im Spiegel.
Eva trat ein. Schloss. Das Klicken fraß sich in die Zirbe.
Sie wählte die gleiche Stufe und ließ Raum. Mehr als drei Meter. Das Tuch faltete sie neben sich, eine genaue, unnötige Kante. Setzen war schon zu viel. Bedecken wäre gelogen.
Sabine sagte nichts sofort. Martin auch nicht. In der Stille hörte Eva, dass jemand zu schnell atmete, und merkte erst später, dass sie es selbst war.
Sabines Blick war nicht hart. Er war wach.
Eva setzte die Hände auf die Knie, damit sie irgendwo waren. Zwischen ihren Schenkeln pulste es, peinlich, ungerufen, seit sie die Hüfte unter dem Tuch erkannt hatte. Sie hielt die Knie beisammen. Der Schweiß löste sie trotzdem.
Eine lange Zeit, in der nur das Weglicht arbeitete.
Dann Sabines Stimme, niedrig, als gäbe es Nachbarn im Holz. „Du warst in der Grotte.“
Kein Vorwurf.
„Ja.“
„An der Bar.“
„Ja.“
Martin rührte sich, ganz wenig. Sabines Hand legte sich auf seinen Unterarm. Bleib.
Eva hätte gehen können. Die Tür war zwei Schritte. Sie blieb, weil Gehen jetzt eine deutlichere Aussage gewesen wäre als Sitzen.
Sabine öffnete die Knie. Nicht weit. Weit genug, dass das Tuch eine Lüge blieb. Martins Hand kehrte auf ihren Oberschenkel zurück, sichtbar, langsam, und Eva begriff, dass ihr das gezeigt wurde.
Schau weg.
Sie schaute nicht weg.
Martins Finger verschwanden unter dem Stoff. Sabines Lid zitterte. Ein einziges Mal. Eva spürte denselben Zitter in der eigenen Scham, ohne Berührung, und hasste die Genauigkeit ihres Körpers.
„Näher“, sagte Sabine. „Nicht die gleiche Bank.“
Eva rutschte auf die Stufe darunter, schräg, zwei Meter, dann eineinhalb. Halt. Das Holz rieb. Sabine roch nach Dusche und nach etwas, das die Dusche nicht abgewaschen hatte.
Martin beugte sich an Sabines Ohr. Eva hörte die Luft, nicht die Worte. Sabine antwortete nicht. Sie nahm stattdessen Evas Blick und hielt ihn, während Martins Hand unter dem Tuch arbeitete. Sabines Oberschenkel öffnete sich um einen weiteren Zentimeter.
Eva öffnete den eigenen, ohne Befehl. Ein nasser Streifen, den das Ofensichtfenster verraten musste. Sie ließ ihn.
„Name“, sagte Sabine.
„Eva.“
„Sabine.“ Ein Atem. „Martin.“
Die Namen machten die Bank enger.
Sabine nahm Martins Handgelenk und zog die Hand unter dem Tuch hervor. Die Finger glänzten. Sie legte sie auf das Holz zwischen sich und Eva, als wäre das eine Grenze und ein Angebot zugleich.
Eva sah auf die Finger. Schluckte.
„Ruheraum“, sagte Sabine. „Hinten links. Nicht jetzt. Erst wenn du noch einmal entscheidest, im Gang.“ Sie hielt inne. „Wir bleiben noch. Du auch, oder du gehst. Beides trägt.“
Eva nickte.
Sie blieben.
Minuten, in denen niemand den anderen anfasste. Sabine lehnte wieder an Martin. Martins hartes Glied blieb unter Stoff. Evas Hände blieben auf ihren Knien. Nur die Blicke gingen weiter, entlang von Hälsen, Brüsten, dem dunklen Dreieck unter Sabines Tuch, dem helleren Streifen unter Evas. Einmal glitt Evas Zunge über die eigene Unterlippe. Sabine sah es. Eva merkte, dass sie es gesehen hatte, und tat es nicht noch einmal.
Dann stand Sabine auf. Das Tuch hielt sie mit einer Hand. Mit der anderen berührte sie Martins Schulter. Bleib sitzen.
Zu Eva: „Du zuerst.“
Der Gang war kälter, als Eva ihn in Erinnerung hatte.
Sie ging nicht schnell. Hinter sich hörte sie erst nach einer Weile die zweite Tür. Nicht sofort. Sabine hatte Wort gehalten: erst der Gang als zweite Entscheidung.
Zimmerkarte. Taxi. Das Bett.
Die Fliesen klebten an den Fersen. Hinter einer Milchglastür lief Wasser und verstummte. Niemand kam entgegen.
Der hintere Ruheraum nahm sie ohne Licht. Die Pflanze warf ein Blatt gegen das Notlicht. Eva setzte sich auf die hinterste Liege, aufrecht, die Handflächen feucht auf dem Bezug, und wartete mit offenen Augen.
Sabine kam allein.
Das fiel Eva zuerst auf. Martin blieb im Türrahmen, eine Silhouette, Abstand.
Sabine setzte sich. Nicht eine Handbreit. Zwei. Das Tuch ließ sie fallen. Der Körper war in der Dunkelheit schwerer als am Tag, wahrer. Eva roch sie, nah.
Sabines Stimme fast ohne Ton: „Den ganzen Tag habe ich gedacht, ich bilde mir deinen Blick ein.“
„Ich habe ihn gebildet.“
Sabine legte die Hand auf das Laken zwischen ihnen. Offen. Nach oben.
Eva schaute auf die Hand. Auf die leere Fläche der Liege. Auf Martins Umriss an der Tür, der nicht näher kam.
Sie legte ihre Hand in Sabines.
Finger an Finger. Kein Verschränken. Nur das Liegen zweier Pulse.
Lange.
Sabine drehte die Hand und strich mit dem Zeigefinger Evas Lebenslinie, eine absurde Zärtlichkeit. Eva musste lachen, einmal, lautlos, und das Lachen machte die Brust weich.
Erst dann wanderte Sabines Finger an ihr Handgelenk, den Unterarm hinauf, die Innenseite, bis zur Beuge. Halt. Eva schloss die Augen. Sabines Finger an der Innenseite des Oberarms. Halt. Die Achsel, nicht ganz. Die Seite der Brust, nicht die Warze.
Eva sagte nichts. Jedes Wort hätte Tempo gebracht.
Sabine küsste sie neben den Mund. Wie Martin vorhin in der Sauna. Eva drehte den Kopf um den Rest. Lippen. Zu trocken. Dann nicht mehr.
Der Kuss dauerte, ohne tiefer zu werden. Martins Silhouette verschob sich im Rahmen, nicht vorwärts.
Sabine löste sich. Die Stirn an Evas Stirn. „Er kommt, wenn ich nicke. Vorher nicht.“
Eva flüsterte: „Nick nicht sofort.“
Sabine nickte nicht.
Ihre Hand sank auf Evas Rippen, blieb, glitt auf den Bauch, blieb wieder. Unterhalb des Nabels zitterte Eva sichtbar. Sabine übersah es nicht und nutzte es nicht aus. Der Finger zog eine Linie am Bund der Scham entlang, dort, wo Haar gewesen wäre, und hielt an.
„Ja?“, fragte Sabine.
Eva brauchte den Atem dafür. „Ja.“
Der Finger glitt tiefer. Außen. Einmal die Länge hinunter, einmal hinauf. Eva öffnete die Knie, weil Offenhalten ehrlicher war als das Spiel mit dem Schließen. Sabine wiederholte denselben Weg. Wieder. Wieder. Ohne einzudringen. Der Kitzler nur als Streifen am Rand.
An der Tür atmete Martin hörbarer.
Sabine sah hin, kurz, und wieder zu Eva. Immer noch kein Nicken.
Eva hob die eigene Hand und legte sie auf Sabines Brust, unsicher, das Gewicht prüfend. Sabine atmete aus, lang, und drückte sich dagegen. Die Warze steif gegen Evas Handfläche. Eva ließ die Hand liegen, nur liegen, und begriff, dass auch das schon Sex war.
Minuten so. Striche. Atem. Der Kuss dazwischen, tiefer jetzt, Zunge, die sich endlich traute. Evas Nässe hörbar auf Sabines Fingern, ein kleines Geräusch, das Eva die Schamröte in den Hals trieb. Sabine nahm es hin wie etwas, das ihr zustand.
„Jetzt“, flüsterte Eva.
„Noch nicht.“
Sabine schob einen Finger in sie, nur das erste Glied, und blieb stehen. Eva krallte sich in die Liege. Sabine küsste den Laut weg. Der Finger bewegte sich nicht. Fülle ohne Rhythmus.
Erst als Evas Hüfte von selbst nachschob, gab Sabine ihr den Rest des einen Fingers, langsam, und den Daumen außen, zu leicht.
An der Tür sagte Martin nur ihren Namen. Sabine.
Sabine nickte, ohne Eva loszulassen.
Martin kam. Setzte sich hinter seine Frau, nicht hinter Eva. Die Hände unter Sabines Brüste, der Mund an ihrem Hals. Eva sah das und fühlte Sabines Finger in sich und dachte an das ungelesene Buch, an das Glas, an die Grotte, und dass alle drei Dinge hierhergeführt hatten, ohne dass jemand einen Satz dazu gebraucht hatte.
Sabine beugte den Kopf, den Mund an Evas Ohr.
„Ich lecke dich, wenn du mich darum bittest. Nicht früher.“
Eva schloss die Augen. Die Pumpe in der Halle füllte die Pause.
Sie bat nicht sofort.
Sie ließ den Finger in sich arbeiten, den Daumen, Martins Blick über Sabines Schulter, Sabines Brust in ihrer Hand, und sammelte das Bitten, bis es nicht mehr wie Diebstahl schmeckte.
„Bitte“, sagte sie dann.
Sabine küsste sie noch einmal, kurz, als Quittung, und glitt von der Liege auf die Fliesen.
Martin hielt seiner Frau das Haar aus dem Weg.
Evas Blick ging an die Decke, wo kein Licht war.
Sabines Atem stand warm zwischen ihren Beinen, noch ohne Mund.
Und blieb dort.
Einen Herzschlag länger, als Eva ertrug.
Dann die Zunge, flach, genau, ohne Eile.
Eva presste die Faust gegen die Zähne. Sabine leckte, wie sie den ganzen Abend gesprochen hatte: in Abschnitten. Flach die Länge hinunter. Halt. Den Kitzler zwischen den Lippen, zu weich. Halt. Der Finger wieder, einer, dann zwei, krumm, während der Mund blieb.
Martin küsste Sabines Rücken, die Schulterblätter, nicht Eva. Seine Härte lag gegen Sabines Kreuz. Sabine löste den Mund einen Atem lang.
„Du darfst ihre Brust. Nur die.“
Martins Hand, groß, warm, fand Evas linke Brust. Der Daumen über die helle Warze. Eva stöhnte in die Faust. Sabine legte die freie Hand auf Evas Mund, nicht als Verbot, als Takt.
„Nach Mitternacht ist nicht tot. Aber es schläft nebenan.“
Eva kam nicht sofort. Sabine ließ es nah kommen, nahm den Mund weg, gab ihn zurück, nahm ihn weg. Eva flüsterte ihren Namen, ohne Halt zu meinen. Sabine verstand den Unterschied und blieb.
Als Eva kam, war es lang und still, ein Ziehen, das den Bauch hob, die Schenkel an Sabines Ohren, Martins Hand fest auf der Brust, Sabines Zunge, die nicht aufhörte, bis Eva ihren Namen diesmal anders sagte.
Danach lag nur Atem im Raum.
Sabine wischte sich den Mund am Handgelenk ab, setzte sich wieder auf die Liege, nahm Evas Gesicht und küsste sie so, dass Eva sich selbst schmeckte. Martin blieb hinter Sabine, hart, wartend.
Sabine nahm Evas Hand und legte sie zwischen ihre eigenen Beine. Dunkel, nass, offen.
„Jetzt du“, flüsterte sie. „Langsam. Er sieht zu. Er fasst dich nicht weiter an, bevor ich es will.“
Eva rutschte von der Liege, auf die kalten Fliesen, die Knie schon rot von vorher. Vor sich Sabines Scham, das Haar, der Geruch nach Martin und nach der Sauna und nach dem, was Sabine den ganzen Tag nicht weggeschaut hatte.
Eva öffnete den Mund.
Hinter ihr atmete Martin.
Vor ihr wartete Sabine.
Draußen, sehr weit, ging die Pumpe weiter, gleichgültig, und die Therme trug die Nacht, als gehöre sie niemandem.